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Berichte

Ökumenischer Pfingstmontag 

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Andernach feierte wie in jedem Jahr am Pfingstmontag einen gemeinsamen Gottesdienst in der Christuskirche. „Glaube gestern – Glaube heute“ war das Grundthema und nahm Bezug auf das erste ökumenische Konzil, das genau vor 1700 Jahren in Nizäa in der Nähe von Konstantinopel in der heutigen Türkei stattfand. Das Ergebnis des Konzils war das Nizänische Glaubensbekenntnis. Es wurde die Grundlage für das spätere Nizäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis von 381 n. Chr., das die weltweite ökumenische Gemeinschaft heute noch betet.

Pfarrer Hans-Werner Schlenzig betonte in seiner Predigt, dass dieses Bekenntnis zu Jesus Christus, den menschgewordenen und auferstandenen Sohn Gottes,  die Glaubenden in unserer zerrissenen Welt tragen kann. Weil Jesus diese Welt nicht gottlos zurückließ, kann dieser Glaube die Kirchen in einer Zeit innerer und äußerer Konflikte zusammenhalten. In Zeiten politischer Spannungen, Kriege und sozialer Ungerechtigkeiten können Christinnen und Christen zeigen, dass das Leben stärker ist als der Tod und dass Liebe die Welt verändern kann. Mit einem solchen Ja zum Glauben können sie ein Zeichen für die Welt und für die Einheit der Kirchen sein. Dazu sagte Bischof Gerhard Feige von Magdeburg kürzlich in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA): „Ich glaube, gerade was die Menschenwürde betrifft, Menschenrechte und Gerechtigkeit, also das Zusammenleben von uns Menschen, da kann und darf die Kirche nicht schweigen.“   

Synodaler Weg der römisch-katholischen Kirche
und die Ökumene 

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Andernach hat der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Marc Frings, im Gemeindesaal von Maria Himmelfahrt zum Thema „Der synodale Weg und seine Bedeutung für die Ökumene“ einen Vortrag gehalten. 

Foto Marc Frings

Zunächst stellte er das ZdK vor, das aus Vertreterinnen und Vertretern der Diözesanräte, der katholischen Organisationen und weiteren Einzelpersönlichkeiten besteht. Es ist eine anerkannte Vertretung der katholischen Laien in Deutschland, vertritt die Anliegen der Gläubigen und hat aus dem Glauben heraus den Auftrag, Kirche, Gesellschaft und Politik aktiv mitzugestalten. Durch den allgemeinen religiösen Niedergang stehen Kirche und damit auch das ZdK gesamtgesellschaftlich, innerkirchlich und politisch vor großen Herausforderungen.  

Eine Antwort darauf sind die Katholikentage, die bereits seit 1848 stattfinden und aus denen sich das ZdK gegründet hatte. Heute werden sie als Beitrag zur Ökumene gesehen. Beim Katholikentag in Erfurt 2024 gab es einen zentralen ökumenischen Gottesdienst. Frings sagte, das sei nicht mehr die Ausnahme, sondern die gelebte Normalität. In der Konsequenz werden Katholikentage immer evangelischer und Kirchentage immer katholischer. Die gegenseitige Gastfreundschaft bei Abendmahl und Eucharistie ist ein besonderes Zeichen. Die Münsteraner Theologin Dorothea Sattler veröffentlichte 2019 mit anderen einen Text, der mit guten theologischen Gründen aufzeigt, dass eine wechselseitige Teilnahme von evangelischen und katholischen Christinnen und Christen an Eucharistie und Abendmahl möglich ist. 

Der nächste Punkt ist der synodale Weg in Deutschland, der sich als Reaktion der katholischen Kirche auf die Missbrauchskrise versteht. An seinem Anfang steht die Kernforderung nach Umkehr und Erneuerung. Zunächst debattierten vier Foren vertraulich zu Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, priesterlicher Existenz heute, Frauen in Diensten und Ämtern sowie Leben in gelingenden Beziehungen. Der synodale Weg ist kein deutscher Sonderweg.  Das ganze Ringen um einen gemeinsamen Weg des ganzen „Volkes Gottes“ – Bischöfen, Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen, Jung und Alt – ist ein Ringen in einem geistlichen Prozess. Papst Franziskus erinnert daran, dass Synodalität der Weg ist, den Gott von der Kirche im dritten Jahrtausend erwartet. 

Vortrag Synodaler Weg, Marc Frings
Marc Frings während des Vortrags

Parallel zum deutschen synodalen Weg fand in Rom die Bischofssynode zur Synodalität statt. Ein sehr konkretes ökumenisches Element war die Präsenz ökumenischer Delegierter. Die Teilnahme dieser Delegierten aus anderen Kirchen hat die Beratungen bereichert.  Das zeigt: Man ist gemeinsam unterwegs zur vollen Einheit der Christen. Papst Franziskus sagte zu Beginn der Synode: „Wenn wir nicht ökumenisch sind, können wir die Synodalität vergessen.“ Es gab viele Themen: Wie können wir als Kirche heute missionarischer, dienender, geschwisterlicher sein? Was hindert uns, was hilft uns? Die Rolle der Frau, eine inklusive Kirche, der Umgang mit jungen Menschen, die Liturgie, die Ökumene und vieles mehr waren Themen. Das Abschlussdokument sagt deutlich, dass die Partizipationsrechte der Laien garantiert werden müssen. Das Amt des Bischofs und selbst des Papstes wird im Licht der gemeinsamen synodalen Beratung verstanden – nicht isoliert oder autokratisch. Papst Franziskus identifizierte sich voll und ganz mit dem Synodenbeschluss und hat darum kein eigenes nachsynodales Schreiben verfasst. Die Impulse des deutschen synodalen Weges finden sich in abgewandelter Form auch im Weltsynoden-Dokument wieder. 

Die Bedeutung der synodalen Prozesse kann man in fünf Punkten zusammenfassen: 

  1. Sie erneuern das Kirchenbild – weg vom Klerikalismus, hin zum „Volk Gottes“. Damit kommt man der gemeinsamen Basis aller Christen näher. 
  1. Synodale Prozesse haben konkrete ökumenische Kooperationen angestoßen und befördert. 
  1. Die synodalen Prozesse stärken das gegenseitige Verständnis und das Vertrauen zwischen den Kirchen. Das einander Zuhören war ein Schlüsselwort auch in Rom. 
  1. Die synodalen Prozesse in der katholischen Kirche beseitigen Stolpersteine der Ökumene. Da sind z.B. die Themen Amtsverständnis, Frauenordination oder das Verständnis von Ehe. Das Thema Frauen ist ein besonders wunder Punkt. Die massive Unterstützung für Frauen in kirchlichen Ämtern wurde sichtbar, womit auch der Druck wächst, weltkirchlich zu denken. 
  1. Synodalität schafft einen neuen Stil der Einheit, der dem Anspruch Jesu näherkommt. Eine katholische Kirche, die demütig ihre Schwächen eingesteht und gleichzeitig mutig Reformen anpackt, gewinnt an moralischer Autorität – nicht über andere Christen, sondern mit ihnen zusammen. 

Fazit: Der synodale Weg ist kein Selbstzweck. Er dient dazu, das Evangelium von der Liebe Gottes in unserer Zeit glaubhaft zu verkünden – klarer, verständlicher, überzeugter und überzeugender. Und zwar hier und heute, in der Gemeinschaft der ganzen Kirche in ökumenischer Verbundenheit und in relevanter Zeitgenossenschaft. 

Ökumenischer Kreuzweg
„Im Gebet zusammen mit Jesus auf dem Weg“

Am Samstag, dem 29.März 2025, um 14 Uhr betete die ACK Andernach in der St. Lubentiuskirche in Kell zum siebten Mal den Kreuzweg Jesu. Die Texte orientieren sich an den Kreuzweg-Betrachtungen von Papst Franziskus, die er im Jahr 2024 für die Feier am Kolosseum in Rom formuliert hat und die unter dem Motto „Im Gebet zusammen mit Jesus auf dem Kreuzweg“ standen.

Gruppenfoto ACK Kreuzweg 2025
v.l. Annette Weiß, Diakon Andreas Schlösser, Pfarrer Andreas Horn, Eva Schütze, Pfarrer Hans-Werner Schlenzig, Elisabeth Bay

Es ging um den Versuch, das Leiden Jesu ins Heute zu übersetzen. Schwerpunkte der Stationen waren die Sorgen der Menschen in den Kriegsgebieten der Ukraine und des Nahen Ostens, die Nöte derer, die vom Erdbeben in Südostasien betroffen sind und die Ängste vieler Türken um Gerechtigkeit und Freiheit. Auch für Kranke, Niedergeschlagene und Kriegstote wurde gebetet. Der Kreuzweg endete nicht mit der Betrachtung des Karfreitags, sondern mit der Hoffnung auf Ostern. Aus dem Auferstehungsglauben heraus haben Christinnen und Christen die Aufgabe, den Menschen Mut zu machen und wie Jesus in die Welt hinauszugehen: den Armen das Brot für ihren Leib und den im Wohlstand Gesättigten in ihrer Konsumraserei das Brot für die Seele zu geben. Nichts könne Glaubende daran hindern, Jesus in seiner befreienden Botschaft nachzufolgen: keine Depression, keine Krankheit, kein Virus, kein Krieg.

Wer den Gottesdienst nicht miterleben konnte, kann ihn im Internet sehen und hören auf direkt auf Youtube kurzelinks.de/KreuzwegKell2025 oder auf dieser Seite: